3. bayerisches Infanterie-Regiment

IX. Stellungskampf im Oberelsass

19.1. bis 25.4.1917

Bahntransport aus Rumänien nach dem Elsass. In Heeresreserve südlich Schlettstadt 19.1. – 19.4.

Die Reise aus Rumänien nach dem Elsass war wahrhaftig keine Vergnügungsreise. Der Wagenmangel hatte zu engster Belegung und zur Zerreißung von Verbänden geführt. In überfüllten ungeheizten Zügen gings von Roseti über Ploesti, Bukarest, Crajova, Turn Severin, Orsowa, Temesvar, Preßburg, Marcheck, Wien, Linz und Salzburg nach Rosenheim. Hier wurde Mann und Pferd nach über 6tägiger Fahrt ausparkiert und zu kurzer Erholung in Quartiere gelegt. Offiziere und Mannschaften reinigten sich in der Entlausungsanstalt. Doch lange dauerte die Idylle in der Heimat nicht. Nach durchschnittlich 1 ½tägigem Aufenthalt gings wieder weiter über München-Laim, wo Seine Majestät der König das Regiment begrüßte, über Augsburg, Ulm, Rastatt und Straßburg in eintägiger Fahrt nach Schlettstadt, wo die Züge des Regiments zwischen dem 19. und 24.1. eintrafen.

Armeeabteilung B (General der Infanterie von Gündell)

Die Division war Heeresreserve, für Unterkunft und Ausbildung aber der Armeeabteilung B unterstellt. Der Divisionskommandeur, der ins Große Hauptquartier befohlen worden war, kam am 21.1. in Schlettstadt an und gab sofort ein Ausbildungsprogramm heraus, das auf Verwertung aller Erfahrungen abzielte, die in den schweren Kämpfen an der Westfront bisher gesammelt worden waren.

Für den in Ploesti erkrankten Oberst Schulz war Oberst Reber als Brigadekommandeur eingetroffen.

Das 3. bayerische Infanterie-Regiment bezog einen breiten Unterkunftsraum südlich Schlettstadt, der östlich begrenzt von den Rheinauen sich quer über den Rhônekanal und die Ill an den Fuß der Vogesen nördlich Rappoltsweiler hinzog. Das I./3. bayerisches Infanterie-Regiment hatte den östlichen Teil nahe am Thein inne (Mackenheim, Heidolsheim, Hessenheim und Bootsheim), II./3. bayerisches Infanterie-Regiment die Mitte (Illhäusern und Ohnenheim), III./3. bayerisches Infanterie-Regiment den westlichen Teil an den Vogesen (Bergheim, Rohrschweier und Gemar). Der Regimentsstab lag in Gemar. In Rodern wurde die Minenwerferkompanie aufgestellt. Der beste Übungsplatz lag hart nordwestlich Bergheim auf dem Kanzlerberg. Um diesen intensiver ausnutzen zu können, wurde das Regiment Mitte März in und um Rappoltsweiler und Bergheim näher zusammengezogen.

Verschiedene Ausbildungskurse wurden innerhalb der Division durchgeführt. Bei der Sturmschule gab Leutnant der Reserve Steiner seine praktischen Erfahrungen an die kommandierenden Dienstgrade und Mannschaften weiter. Der Gasschutz wurde organisiert. Die Offiziere erkundeten die Vogesenfront bei Markirch (61. Landwehr-Brigade) nördlich Colroy (39. Reserve-Division), bei Senones (30. Reserve-Division) und im Münstertal (6. bayerische Landwehr-Division).

Ende März fanden Besichtigungen der Kompanien auf dem Übungsplatz auf dem Kanzlerberg statt. Bald darauf bringen Angriffsdrohungen der Franzosen und das Bedürfnis, die zweiten Linien mehr auszubauen, mehrfache Zuteilungen von Bataillonen des Regiments zur Vogesendivision mit sich: III./3. bayerischesInfanterie-Regiment wird vom 26.3. bis 7.4. nach Gebweiler und Weiler im Tal zur 6. bayerischen Landwehr-Division, I. und II./3. bayerisches Infanterie-Regiment vom 3.4. an zur 26. württembergischen Landwehr-Division nach Sulz, Rödersheim und Buttenheim bzw. Ungersheim, Feldkirch und Bunzenheim als Reserve abgestellt.

Nach verschiedenen Märschen der Bataillone, Entlausung in Colmar und Ausgabe von Gebirgsausrüstung und der Stahlhelme erreichen am 19.4. I. und II./3. bayerisches Infanterie-Regiment mit Fußmarsch, III./3. bayerisches Infanterie-Regiment mit Bahntransport Mülhausen und Umgebung. III./3. bayerisches Infanterie-Regiment rückt bereits in der Nacht vom 19. auf 20.04. unter Ablösung von II./66. Infanterie-Regiment in den „Abschnitt Schweighausen“ mit der Front „Pfropfen“ (einem Stützpunkt 1.200 Meter westlich Schweighausen) – Exbrücke ein, während der Regimentsstab noch in Reiningen, I./3. bayerisches Infanterie-Regiment in Pfaffstatt und II./3. bayerisches Infanterie-Regiment in Lutterbach nächtigen.

In der folgenden Nacht (20./21.4.) wird dann I./Infanterie-Regiment 66 durch II./3. bayerisches Infanterie-Regiment in der Stellung bei Nieder-Aspach abgelöst. Der Regimentskommandeur übernimmt am 21.4. den Abschnitt. I./3. bayerisches Infanterie-Regiment wird als Reserve in Ölenberg, Schweighausen und in der dortigen Pulverfabrik untergebracht.

Die Stellung hatte durch eine kurz vorher erfolgte schwere Beschießung und ein größeres Stoßtruppunternehmen, bei dem Franzosen vorübergehend in den „Pfropfen“ eingedrungen waren, ziemlich starkt gelitten. Rasch ging man an die Wiederherstellung und an Einrichtung und weiteren Ausbau heran, da kam schon am 22.04. nachmittags der Ablösungsbefehl.

Die Ausgabe der Gebirgsausrüstung hatte die Hoffnung erweckt, wir seien für die italienische Front bestimmt, der überraschende Einsatz bei Mülhausen wurde dahin gedeutet, dass die Franzosen hier angreifen wollten. Es wurde sogar von einer unter Umständen hervorstehenden französischen Umgehung durch die Schweiz gesprochen. Die Ablösung aus dem kaum übernommenen Abschnitt und der sich sofort daran anschließende Abtransport in die Gegend nordöstlich Lâon kam daher um so überraschender, als man aus dem Heeresbericht und den Zeitungen wusste, dass die nach wochenlangem Trommelfeuer am 16.4. zwischen Vailly (20 Kilometer südlich Lâon) und Reims losgebrochene gewaltige Offensive der Franzosen, trotz einigen Geländeverlustes bei Vailly und zwischen Craonne und Berry au Bac im wesentlichen schon am 17. und 18.4. in schweren, verlustreichen Abwehrkämpfen aufgefangen worden war.